Aktion "Sicher Fühlen" – eine Erfolgsgeschichte

Artikel aus "Das Jahresjournal der Krebsgesellschaft NRW - PERSPEKTIVEN", Ausgabe 2003

1 Jahr Seminare zur Selbstuntersuchung der Brust

Die Möglichkeit an Brustkrebs zu erkranken ist angesichts von zirka 10.000 Neuerkrankungen pro Jahr allein in NRW für fast jede Frau ein Thema. Fast immer spielen dabei diffuse Ängste eine nicht unbedeutende Rolle. Sachliche Information über Möglichkeiten der Früherkennung und die Chancen moderner Therapien helfen einerseits solche Ängste abzubauen, andererseits tragen sie dazu bei, im Falle einer Erkrankung die richtigen Schritte rechtzeitig einleiten zu können. Denn Tatsache ist: Je früher ein Brustkrebs erkrannt wird, desto größer sind die Heilungschancen!

Kursangebot für Frauen aller Altersstufen

Vor diesem Hintergrund wurde im Jahr 2002 durch die Arbeitsgruppe Früherkennung in der Konzertierten Aktion gegen Brustkrebs in NRW die Kampagne "Sicher Fühlen" als Kursangebot für Frauen aller Altersstufen entwickelt. In fachärztlich geleiteten ca. 2-stündigen Seminaren wird nicht nur theoretisch über Brustkrebsentstehung, Früherkennung, Diagnose und Therapie gesprochen, sondern auch mit Hilfe von Brustsilikonmodellen ganz praktisch dazu angeleitet, systematisch und regelmäßig die eigene Brust zu untersuchen. Die Frauen werden ermuntert, sich als kenntnisreiche Expertinnen ihres eigenen Körpers zu begreifen und Veränderungen in der Brust so früh wie möglich zu entdecken.

Als im Oktober 2002 die ersten Seminare zur Selbstuntersuchung der Brust anliefen, war schon kurze Zeit später klar, dass das Angebot genau dem Bedürfnis der Frauen entspricht, sich aktiv um ihre Gesundheit zu kümmern. Bis zu 50 Terminanfragen gingen pro Monat in der Koordinationsstelle bei der Krebsgesellschaft ein. Multiplikatoren der Aktion waren zunächst unterschiedliche Verbände in NRW, wie der Landfrauenverband , der Landessportbund, Christliche Frauenverbände oder die Gleichstellungsstellen der Städte und Gemeinden, die über das Konzept schon im Vorfeld von der Krebsgesellschaft informiert worden waren. Über sie wurde eine Vielzahl von Frauen erreicht, die inzwischen durch Mund-zu-Mund-Propaganda zum weiteren Erfolg der Kampagne beitragen. Es zeigt sich, dass "Sicher Fühlen"Seminare, in Ergänzung der von den meisten Teilnehmerinnen bereits wahrgenommenen jährlichen Früherkennungsuntersuchung beim Frauenarzt, eine bisher unbeachtete Lücke schließen.

Über 600 Seminare in NRW

Über 600 Seminare haben seit dem Start vor einem Jahr landesweit bereits stattgefunden. Die zahlreichen Terminanfragen reichen schon jetzt weit in das Jahr 2004 hinein. Der Erfolg der Kampagne ist nicht zuletzt auch dem vorbildlichen Engagement der vielen Gynäkologinnen und Gynäkologen zu verdanken, welche die Kurse leiten. Schon zu Beginn fanden sich schnell ca. 50 Ärztinnen und Ärzte, die sich neben ihrem Arbeitsalltag, praktisch in der Freizeit, für diese Sache engagierten. Inzwischen sind über 180 Gynäkologen aus ganz NRW beteiligt. Offensichtlich ist es ihnen ein besonderes Anliegen, Frauen über das Thema Brustkrebs und die Möglichkeiten der Früherkennung gut zu informieren, denn für ihren Einsatz an freien Nachmittagen und Abenden erhalten sie nur eine geringe Aufwandsentschädigung.

Die positive Entwicklung der Aktion "Sicher Fühlen" spiegelt sich auch in einer ersten Auswertung der in den Seminaren ausgegebenen Fragebögen. Diese werden anonym ausgefüllt und geben in ihrem ersten Teil Informationen über das Alter der Teilnehmerinnen, Vorerkrankungen, Kenntnisse und Inanspruchnahme der Früherkennungsuntersuchung sowie über Erfahrungen mit der Selbstuntersuchung der Brust. In einem zweiten Teil wird die Zufriedenheit der Teilnehmerinnen mit Ablauf und Inhalt des von ihnen besuchten Seminars abgefragt.

Durchschnittsalter der Teilnehmerinnen: 45,74 Jahre

Die Auswertungen von jeweils zehn Seminaren aus Nordrhein und aus WestfalenLippe mit insgesamt fast 280 Teilnehmerinnen ergaben, dass nicht nur die gewünschte Altersgruppe der 40 bis 60 Jährigen (65,27 %) tatsächlich erreicht wurde, sondern auch die 30 bis 39jährigen mit einem Anteil von 21,76 % sehr stark vertreten waren. Die Gruppe der 60 bis 69jährigen war mit 8,78 %, die Altersklasse der 20 bis 29jährigen nur mit 3,44 % beteiligt. Damit betrug das Durchschnittsalter der Teilnehmerinnen 45,74 Jahre.

In der Untersuchungsgruppe haben 91,98 % der Teilnehmerinnen keine Vorerkrankungen der Brust; 8,02 % sind durch eine Brusterkrankung vorbelastet. Das Ziel der Kampagne, brustgesunde Frauen anzusprechen, wurde somit erreicht.

Eine große Mehrheit der Frauen, (nämlich 92,75 %) gibt an, regelmäßig die Krebsfrüherkennungsuntersuchung beim Arzt wahrzunehmen. Damit repräsentieren die Teilnehmerinnen in Bezug auf ihr Vorsorgeverhalten allerdings nicht die durchschnittliche Frauenbevölkerung in Deutschland: Weniger als 50 % der Anspruchsberechtigten nehmen deutschlandweit derzeit an der von den Krankenkassen finanzierten gynäkologischen Früherkennungsuntersuchung teil.

In den Fragebögen zum Seminar wurden auch Vorkenntnisse in Bezug auf die Brustselbstuntersuchung abgefragt. Nur knapp die Hälfte der Teilnehmerinnen (53,82 %) gab vor Beginn des Seminars an, die Selbstuntersuchung bereits zu kennen. Dabei wurde als häufigste Informationsquelle der/die Frauenarzt/ärztin bzw. Arzt/Ärztin mit einem Anteil von 74,83 % genannt, gefolgt von unterschiedlichen Medien (17,88 %). Auf die Frage, ob sie ihre Brust regelmäßig oder zeitweise untersuchen, antworteten allerdings deutlich mehr Frauen mit ja (fast 70 % der Befragten). Das lässt den Schluss zu, dass auch Frauen, ohne Kenntnisse über die systematische Selbstuntersuchung, Ihre Brust vermutlich unspezifisch  auf Veränderungen hin abtasten. So erklärt sich das Bedürfnis dieser Frauen, im Seminar Kenntnisse und Fertigkeiten zur systematischen Brustselbstuntersuchung zu erwerben bzw. zu vertiefen.

Frauen ziehen eine durchweg positive Bilanz

Im zweiten Teil des Fragebogens wird nach dem Seminar die neu gelernte und angewandte SelbstuntersuchungsMethode beurteilt, und festgestellt, ob die Frauen ihre Einstellung bezüglich Vorsorge und Selbstuntersuchung geändert haben. Am Ende besteht die Möglichkeit zur Kritik. Doch die Frauen ziehen eine durchweg positive Bilanz: Die Konzeption des Seminars lässt keine Fragen offen, denn nahezu alle Frauen gaben an, umfassend informiert worden zu sein (95,42 %) bzw. Neues über die Brustselbstuntersuchung gelernt zu haben (60 %).

Fast alle Teilnehmerinnen fühlen sich durch das Seminar motiviert, nicht nur die jährliche Früherkennungsuntersuchung beim Arzt weiterhin wahrzunehmen, sondern auch die Selbstuntersuchung der Brust künftig regelmäßig durchzuführen. Besonderen Anklang finden in diesem Zusammenhang die an jede Teilnehmerin ausgegebenen so genannten Duschkarten. Hierbei handelt es sich um handliche, wasserfeste Karten, auf denen die einzelnen Schritte der Selbstuntersuchung sowohl bildlich als auch schriftlich dargestellt sind. So kann jede Teilnehmerin das Erlernte zu Hause noch einmal in Ruhe nachvollziehen und bei der monatlichen Selbstuntersuchung die Karte immer wieder zurate ziehen.
Inwieweit die Vorsätze im Alltag tatsächlich umgesetzt werden, soll die Auswertung eines weiteren Fragebogens ergeben, der von allen Teilnehmerinnen zirka ein halbes Jahr nach der Veranstaltung ausgefüllt an die Krebsgesellschaft zurückgeschickt wird.

Befragung der Ärzte

Auch die ersten Befragungen der Ärzte nach ihren Erfahrungen in den Seminaren wurden bereits evaluiert und werfen ein positives Licht auf den Ablauf der Kurse. Im Juni lud die Krebsgesellschaft daraufhin alle beteiligten Ärzte nach Dortmund ein, um eine erste Zwischenbilanz zu ziehen. Hier gab es Gelegenheit, Empfehlungen und Anregungen zur Seminargestaltung sowie zu organisatorischen Fragen sowohl untereinander als auch mit der Koordinationsstelle auszutauschen. Besonders deutlich war der Wunsch nach einheitlichem Unterrichtsmaterial für die Seminare. So wurden im Laufe des Sommers ein erweiterter Unterrichtsleitfaden sowie Overheadfolien bzw. PowerPointDateien erstellt, die seither allen Seminarleitern kostenlos zur Verfügung stehen.

Fazit

Die Finanzierung sämtlicher Materialien, der Modelle und der Aufwandsentschädigungen für die Seminarleitung erfolgt über einen gemeinsam vom Gesundheitsministerium NRW, Krankenkassen und Kassenärztlichen Vereinigungen gespeisten Fonds. Für das Jahr 2004 wird dieser noch einmal kräftig aufgefüllt, um die Aktion "Sicher Fühlen" weiterführen zu können. So zeigt sich am Beispiel dieser gelungenen Kampagne, dass es in NRW durch Bündeln der Kräfte möglichst vieler Beteiligter des Gesundheitswesens gelingen kann, wichtige und sinnvolle Angebote in der Krebsfrüherkennung nicht nur zu entwickeln, sondern auch flächendeckend und zum Nutzen der Bürger umzusetzen.

Anne Arning, Krebsgesellschaft NRW, 
Tel. 0211 15760990

Die Gesichter der Teilnehmerinnen wurden verfremdet.

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