Lustvoller Sex trotz Rheumabürde

Ein KONGRESSBERICHT aus NEW ORLEANS

“Ich bin hässlich, entstellt, und meine Gelenke tun viel zu weh."  So denken viele Patienten mit rheumatolder Arthritis und ziehen einen Schlussstrich unter ihre Sexualität. Doch mit einfachen Tipps kann man ihnen wieder zu erfüllter Liebe und Partnerschaft verhelfen.

Eine chronische Erkrankung wie die rheumatoide Arthritis ändert das Körperbild und die Selbstwahrnehmung massiv. Insbesondere betroffene Frauen leiden darunter, sich entstellt und damit nicht mehr begehrenswert, geschweige denn sexy zu fühlen. Die Männer haben es in dieser Hinsicht etwas besser. Solange sie sexuell "funktionieren", sprich Geschlechtsverkehr ausüben und einen Orgasmus haben können, scheren sie sich weniger darum, wie sie aussehen, erklärte SEAN HOGAN DOWNEY, Soziologin und Sex-Expertin aus Michigan, beim Kongress des American College of Rheumatology.

Bei beiden Geschlechtern dämpfen die Rheumabegleiter Schmerz und Erschöpfbarkeit den Appetit auf Liebesspiele und drücken auf die Stimmung. Gesprochen wird jedoch kaum davon, die sexuelle Aktivität eher stillschweigend eingestellt. Andererseits reichen Ärzte ihren Patienten auch nicht gerade die Hand, die Probleme zu thematisieren und zu lösen. "Ich hatte in den vergangenen neun Jahren nur zweimal mit dem Thema zu tun, als Patienten mich auf die sexuelle Problematik ansprachen und ich wirklich ins Schleudern geriet", gab ein Kollege aus dem Auditorium ehrlich zu: jetzt bin ich hier, weil ich es in den nächsten neun Jahren besser machen will."

Was kann man den Patienten für Tipps geben? Wichtig ist es gerade für chronisch Kranke, dass sie auf ihren Körper achten, unterstrich die Referentin. "Welche Tageszeit ist für mich günstig zum Sex?", sollten sie sich beispielsweise fragen. Wie die Expertin berichtete, fühlen sich viele Rheuma-Patientinnen nachmittags am besten. Zwar ist der Mann zu diesem Zeitpunkt in der Woche nicht immer verfügbar; doch weiß er über die bevorzugte Tageszeit Bescheid, so ist er der ja selbst unter dem Sexentzug leidet meist entgegenkommend, berichtete die Kollegin.

Geheimzeichen statt Schmerz-Schrei

Erinnern Sie die Patienten daran, dass man sich auf verschiedene schöne Arten zur Liebe bereit machen kann, empfahl sie weiter - Ein warmes Bad mit Kerzenlicht und Musik entspannt und steigert Wohlgefühl und Vorfreude. Ganz wichtig ist auch, dass der Rheumakranke nicht unter dem Gewicht des Partners ächzen muss. Dazu gilt es, verschiedene Positionen auszuprobieren, bei denen so wenig "Last" wie möglich auf die leidenden Gelenke drückt. Zudem sollte das Paar kleine Geheimzeichen als Schmerzsignal vereinbaren - allerdings keine Schreie, das mordet die Stimmung, so die Referentin. Ein bestimmter leiser Laut bedeutet: Halt, das tut weh. Hierauf kann der Partner gut reagieren, das Paar stoppt die schmerzhafte Aktion und fährt ansonsten mit dem lust- und liebevollen Miteinander fort. Und auch wenn Schmerz nicht ganz zu vermeiden ist: "The pleasure is worth the pain", konstatieren nicht wenige Patienten, die "es" gelernt haben.

Unterstützung braucht nicht zuletzt auch der gesunde Partner. In einer Gesellschaft, in der Erfolg und Lebenslust mit "jung, schön und gesund" verknüpft sind, schämen sich nicht wenige, einen kranken, evtl. entstellten Menschen sexuell zu begehren. Dabei hat ja Sex sogar heilende Kräfte, warf ein Rheumatologe aus dem Auditorium ein, der darüber bereits ein Buch verfaßt hat. Erregung und Orgasmus verursachen u.a. die Freisetzung von Hormonen wie Oxytocin und lösen Endorphinähnliche Effekte aus, so der Kollege weiter: Oft haben die Rheumakranken nach dem Sex weniger Schmerzen.

Geschlechtsverkehr als Heilmittel

Ihre ganze Aufgabe ist es, sich auf das Thema einzulassen, betonte die Referentin. Damit es Ihren Schützlingen nicht so geht wie einer anwesenden rheumakranken Kollegin, die von einem Arztgespräch nach ihrer Hüftoperation im Alter von 30 Jahren berichtete. "Sie können jetzt wieder alles machen", sagte der Kollege. "Schön", antwortete die Frau. "Ich meine wirklich alles, wiederholte der Kollege bedeutungsvoll, und das war dann auch wirklich alles zum Thema Sex.

Aus Gyn Tribune 11.03.2003

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