“Sicher fühlen” - Kampagne zur Selbstuntersuchung der Brust

Im März 2002 startete die nordrhein-westfälische Gesundheitsministerin Birgit Fischer die Konzertierte Aktion gegen Brustkrebs. Die Initiative soll die Versorgung von Frauen, die an Brustkrebs erkrankt sind, nachhaltig verbessern. Koordiniert vom Gesundheitsministerium erarbeiteten Vertreterinnen und Vertreter aus Ärztekammern, Kassenärztlichen Vereinigungen, Krankenkassen, Krankenhausgesellschaft, Krebsgesellschaft und Selbsthilfeorganisationen Optimierungskonzepte. Es ging um qualitätsgesicherte Diagnostik und Therapie, um Nachsorge und Behandlungsdokumentation ebenso wie um geeignete Maßnahmen zur Förderung der Früherkennung von Brustkrebs.

Selbstuntersuchung der Brust als Beitrag zur Früherkennung

Für den Bereich der Früherkennung wurde unter Federführung der Krebsgesellschaft NRW ein Programm zur landesweiten Popularisierung der Selbstuntersuchung der Brust und der gesetzlichen Früherkennungsuntersuchung entwickelt. In gemeinsamer Arbeit mit dem Gesundheitsministerium, der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe, Vertreterinnen und Vertretern der Selbsthilfe und der Krankenkassen entstand das Konzept für die Kampagne "Sicher fühlen". Kernstück dieses Bestandteils der Konzertierten Aktion ist ein landesweites Angebot von Seminaren, in denen Frauen motiviert werden sollen, durch die regelmäßige Selbstuntersuchung der Brust einen eigenen aktiven Beitrag zur frühen Erkennung von Brustkrebs zu leisten und die gesetzlichen Früherkennungsmaßnahmen stärker zu nutzen. Denn zur Zeit nimmt nicht einmal die Hälfte der anspruchsberechtigten Frauen das kostenlose Angebot der jährlichen Früherkennungsuntersuchung beim Frauenarzt wahr und nur wenige untersuchen regelmäßig selbst ihre Brust.

Seminare zum Lernen und Fühlen

Das Seminarkonzept von "Sicher fühlen" beinhaltet sowohl die Vermittlung von Wissen über die Entstehung von Brustkrebs und die Möglichkeiten der Früherkennung als auch das Erlernen der Selbstuntersuchung der Brust durch praktische Übung an Modellen. Das Seminar soll dazu beitragen, Ängste abzubauen, Eigenverantwortung zu stärken und durch das Erlernen der Selbstuntersuchung der Brust Kompetenz für den eigenen Körper zu erwerben. Es soll den Frauen helfen, eine gewisse Sicherheit in der Einschätzung körperlicher Befindlichkeit zu erlangen. Denn nur wer seinen Körper kennt und ernst nimmt, kann Veränderungen wahrnehmen und findet, wenn etwas Ungewöhnliches getastet wird, sicherlich auch eher den Weg zum Arzt. Geleitet wird die etwa eineinhalb Stunden dauernde Veranstaltung von einer Gynäkologin oder einem Gynäkologen. Das Angebot richtet sich an Frauen ab 20 Jahren, die Teilnahme ist kostenlos.

Viele Anstrengungen im Vorfeld

Um dieses Angebot für die Frauen des Bundeslandes bereitzustellen, bedurfte es vieler Arbeitsschritte. Nach der Fertigstellung der Konzeption wurden begleitende Informationsmaterialien wie ein Flugblatt zur Kampagne und eine wasserfeste Anleitung zur Selbstuntersuchung, die so genannte "Duschkarte", erstellt. Die Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe und die Berufsverbände der Frauenärzte beider Landesteile warben Gynäkologinnen und Gynäkologen für den Einsatz als Seminarleiter. So stehen Frauenärztinnen und -ärzte für den Einsatz vor Ort gerne zur Verfügung.
Um bei jeder Veranstaltung gleiche Inhalte und Qualität zu gewährleisten, erstellte die Krebsgesellschaft NRW einen Leitfaden zur Seminardurchführung, wobei wir uns auf die Erfahrung der rheinlandpfälzischen Krebsgesellschaft stützen konnten. Als Grundlage für die Evaluation der Seminare wurden zudem Fragebögen für die Teilnehmerinnen und die Seminarleitung entwickelt.

Das Gesundheitsministeriums finanzierte die Herstellung der schriftlichen Begleitmaterialien zur Kampagne. Die Verbände der gesetzlichen Krankenkassen übernahmen die Beschaffungskosten der Silikonmodelle für die praktische Übung in den Seminaren und auch die anfallenden Sachkosten der Kampagne. Sponsoren aus den Pharmabereich unterstützten die Herstellung der wasserfesten Anleitungskarte zur Selbstuntersuchung der Brust, die jede Seminarteilnehmerin erhält.

Kooperationspartner außerhalb des Gesundheitswesens

Entsprechend der Zielsetzung, mit "Sicher fühlen" Frauen jeden Alters und möglichst jeder sozialen Schicht in NRW zu erreichen, bedurfte es weiterer Kooperationspartner aus dem öffentlichen Leben. Diese sollten die Aufgabe übernehmen, das Angebot in ihren Gliederungen zu verbreiten. So wurden seitens des Gesundheitsministeriums Verbände und Vereine aus allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens angesprochen. Die Resonanz war groß. Der Landessportbund, verschiedenste Frauenverbände, Wohlfahrtsverbände, kommunale Stellen und viele andere mehr unterstützen die Kampagne.

Startschuss

Am 4. Juli 2002 war es dann soweit: In der Auftaktveranstaltung beim "Verein für Gesundheitsport und Sporttherapie" in Düsseldorf stellten Vertreter des Gesundheitsministeriums, der Frauenärzte, der Krankenkassen und der Krebsgesellschaft "Sicher fühlen" der Öffentlichkeit vor. Im Anschluß an den offiziellen Auftakt fand im Sportverein das erste Seminar statt.

Tendenz

Mittlerweile hat die Krebsgesellschaft mit der Koordinierung alle Hände voll zu tun. Landfrauenvereine, kommunale Gleichstellungsbeauftragte, christliche Frauenvereinigungen, Sportvereine und viele andere haben bereits Terminwünsche für Seminare angemeldet. Damit befinden sich die im Jahr 2001 begonnenen Planungen zur Förderung der Früherkennung wie auch andere innerhalb der Konzertierten Aktion erarbeitete Konzepte - genannt seien hier nur die Zertifizierung von Brust(behandlungs)zentren und die modellhafte Erprobung der "elektronischen Patientenakte" zur Behandlungsdokumentation - "mitten" in der praktischen Umsetzung. Kurz gesagt: "Sicher fühlen", die Kampagne zur Selbstuntersuchung der Brust, "rollt". Das dürfte auch so bleiben, denn nach der Einschätzung der damit befaßten Mitarbeiter der Krebsgesellschaft, stellen die bisherigen Anfragen erst den Beginn eines stetig wachsenden Interesses dar. Alles in allem eine positive Entwicklung, welche die alten und neuen Mitstreiter für die Sache nur freuen kann.

Die vorangegangenen Ausführungen sind zum einen als Überblick über die Entstehung, die wesentlichen Inhalte und die Verlaufsformen von "Sicher fühlen" gedacht. Zum anderen sollen sie das Interesse an der Organisation eines Seminars bzw. an der Teilnahme daran wecken.

Infos bei der Krebsgesellschaft NRW in Düsseldorf,

Telefon 0211 15760990 zwischen 9 und 12 Uhr
oder auf den Seiten www.krebsgesellschaft-nrw.de
oder per Email arning@krebsgesellschaft-nrw.de
Dr. Margret Schrader, Krebsgesellschaft NRW

Als Seminarleiter ist Dr. med. Jochen Langwasser vom Uro-Gyn-Zentrum Wuppertal - Wall seit Beginn dabei.
Seinen Vortrag finden Sie hier.

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